22. Juin 2012, par Anne

Älpleralltag

Liebe Leserinnen und Leser!

 

Nun sind Markus und ich seit über zwei Wochen auf der Rotmatt und der Alltag fordert seinen Tribut – mir fehlen Zeit und Kraft zum Schreiben und ich hoffe auf Ihr Verständnis, dass Sie auf neue Alpgeschichten von uns ein wenig warten müssen. Damit Sie sich eine Vorstellung von unserem Leben auf der Alp machen können, habe ich einmal unseren Tagesablauf beschrieben.

 

Morgen

Gegen 5.30 Uhr starten wir in den Tag. Während Markus das Melkzeug rüstet und mit Melken beginnt (die Kühe sind zurzeit nachts im Stall), bereite ich das Käsen vor: lasse die Abendmilch aus dem Kühltank ins Kessi laufen, nehme die Käselaibe vom Vortag aus den Formen und packe sie ins Salzbad, rahme die Abendmilch ab und spüle den

Melkzeug

Milchtank vor. Dann schnell in die Stallkleider schlüpfen und ab zum Melken. Wir arbeiten mit einer Eimermelkanlage und sammeln die Milch in einer 70-Liter-Dause (ein hohes ovales Gefäss aus Aluminium mit zwei Rückentragegurten), die Markus am Morgen direkt ins Kessi leert. Gegen 7.30 Uhr bin ich mit meinen sechs Kühen fertig und mache in der Käserei weiter: Milchtank, Presstisch und Käseformen säubern, Feuer unterm Kessi entfachen, Milchmenge messen, Rührwerk und Thermometer einsetzen. Während die Milch auf 32 Grad Celsius erwärmt wird, bereite ich das Morgenessen für uns vor, gebe die Käsekulturen und etwas später das Lab ins Kessi. Die Milch braucht etwa eine halbe Stunde zum Dickwerden, die ich fürs Morgenessen nutze. Markus hat in der Zwischenzeit Kälber getränkt, alle Tiere mit Heu versorgt und je nach Wetter die Kühe schon auf die Weide gelassen. Wenn er damit fertig ist, kommt er auch zum Frühstück, so dass wir oft zusammen essen können.

 

Vormittag

Bruchschneiden

Gegen 9.00 Uhr schneide ich den Käsebruch, setze eine halbe Stunden später das Kessi wieder aufs Feuer und nutze die Nachwärmphase und die Zeit bis zum Ausziehen des Käses für Haushalt, Buttern oder Vorbereitungen fürs Kultur“kochen“. Gegen 10.30 Uhr ist der Käse meist parat zum Ausziehen und wird in den Pressformen versorgt. Danach putze ich alles Käsegeschirr, das Kessi und den Boden, was etwa bis 11.45 Uhr dauert und koche dann schnell etwas zum Mittag. Markus wäscht in dieser Zeit das Melkgeschirr, geht die Schweine füttern, lässt Kälber und Rinder raus und mistet den Stall aus. Gegen 11 Uhr ist er damit meist fertig und nutzt die Zeit bis zum Mittagessen noch für Arbeiten auf den Weiden oder was grade so anliegt. Etwa um 12.30 Uhr gibt es Essen und danach machen wir Mittagspause und genießen den wohlverdienten Mittagsschlaf.

 

Nachmittag

Je nach Wetter arbeitet Markus am Nachmittag draußen auf den Alpweiden oder fährt ins Tal ins Büro. Zurzeit zäunt er die Weiden neu ein,

Alphütte, Kuhstall und Wiesen

muss der Herde also immer eine Weide voraus sein. Auch dieser Winter hat eine Menge Zaunpfähle zerstört, die ersetzt werden müssen, was bei dem felsigen Boden oft nicht so einfach ist. Bei gutem Wetter beneide ich ihn um die Möglichkeit draußen arbeiten zu können, denn ich verbringe auch am Nachmittag die meiste Zeit in der Hütte. Neben verschiedenen Haushaltstätigkeiten, kehre ich wiederholt den Käse, wasche die Käsetücher fertig aus und gehe dann in den Käsekeller zum Käseschmieren. Die ersten einhundert Laibe liegen nun im Keller und in den ersten vierzehn Tagen werden sie täglich mit Salzwasser eingerieben. Die ersten Laibe haben diese Prozedur schon hinter sich und eine schöne goldgelbe Farbe bekommen. Sie werden jetzt alle zwei Tage mit Wasser geschmiert. Gegen 17 Uhr bin ich damit meist fertig und bereite das Zabig vor, das Markus und ich gemeinsam essen, wenn er auf dem Rotmattgelände gearbeitet hat. Ansonsten kommt er gegen 18 Uhr aus dem Tal hoch zum Melken.

 

Abend

Warten aufs Abendmelken

Die meisten Kühe kommen so gegen 17 Uhr alleine zum Stall zurück und warten dann im Vorhof auf Markus. Während er sie einstallt, also jede auf ihrem Platz anbindet, bereite ich das Melkzeug vor, trage es zu Stall rüber und wende noch mal die Käselaibe. Spätestens ab 19 Uhr melken wir zusammen die Kühe.

Da ich weniger Tiere melke, bin ich früher als Markus fertig. Bei gutem Wetter nutze ich die Zeit für einen kleinen Spaziergang zum Alpkreuz oder die Pflege meine Blumenstöcke. Ansonsten arbeite ich gleich im Haus weiter: im Herd anfeuern und die Milch fürs Znacht sieden, Holzvorräte aufstocken, das Znacht rüsten, Käse wenden. Gegen 20.30 Uhr kommt Markus aus dem Stall und wäscht dann das Melkzeug ab. Wenn er damit fertig ist, essen wir das Znacht. Danach geht Markus die Schweine füttern, schaut bei den Kühe nach dem Rechten und bindet den Hund an. Ich räume noch kurz die Küche auf und bereite den nächsten Tag vor und gegen 22 Uhr ist endlich Feierabend.

 

So, liebe Leserinnen und Leser, ich hoffe, Sie sind vom Lesen nicht ganz erschöpft? Aber nach fast drei Wochen Funkstille haben Sie eine längere Alpgeschichte von mir verdient.

 

Ich wünsche Ihnen ein gutes Wochenende mit viel Sonnenschein.

 

Herzlich

 

Ihre Anne Weber

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