04. Octobre 2012, par Anne

Alpabzug

Liebe Leserinnen und Leser

 

Seit einer Woche sind wir Älpler nun schon wieder im Tal und die Tiere haben sich daran wohl schneller gewöhnt als wir Menschen. Flachere Wiesen, reichhaltigere Weiden und bequemerer Stall sorgen für Kuhkomfort, den unsere Damen zu schätzen wissen. Und die Strapazen der Abfahrt sind schon längst vergessen.

 

Kuhreihe talwärts

Bei trockenem, sonnigem Wetter (am Vortag regnete es noch in Strömen) machten sich vergangenen Dienstagnachmittag 24 Kühe, 10 Rinder, 5 Kälber, 1 Hund und 6 Menschen auf den Weg ins Tal. Zuvor hatten fleißige Helfer die Tiere von den Weiden geholt, sie eingestallt, geputzt und geschmückt.

Rund zweieinhalb Stunden benötigten wir für unsere Sentenfahrt von etwa zehn Kilometer Länge. Gestriegelt und herausgeputzt mit ihren Festtagsglocken die einen, geschniegelt und frisch angelegt die anderen formierte sich unser Zug anfangs nur zögerlich. Die Kühe wollten Stall und Alp nicht so recht verlassen, die Rinder bildeten eine chaotische Gruppe und die Kälber wussten gar nicht, wie ihnen geschah. Doch so nach und nach fanden wir unseren Marschrhythmus und die Vorfreude aufs Tal wurde bei den Tieren spürbar – außer bei Kuh Edera. Ohnehin nicht die Schnellste und durch empfindliche Klauen leicht eingeschränkt zockelte sie bald hinter allen her und bildete mit großem Abstand das Schlusslicht – zusammen mit

Unser Schlusslicht: Garry, Markus, Edera (v.l.)

Markus und Hund Garry, für die das eine echte Geduldsprobe wurde. Doch je näher die Talweiden rückten, desto schneller wurden die Kühe und sogar Edera holte auf, so dass wir am Ende in relativ geschlossener Formation ins Tal einziehen konnten. Die Kühe stürzten sich mit Riesenappetit ins Gras, der strapaziöse Fußmarsch war vergessen, jetzt war nur noch eins wichtig – Fressen. Die Aufregungen des Tages wirkten aber in der Herde noch nach. Bis zum Einstallen fochten unsere Damen das ein oder andere Scharmützel miteinander aus und waren recht unruhig.

 

Prinzessin oder Clown? Kuh Runzel wieder im Tal

Mit dem Abzug der Älpler und des Viehs ist Ruhe auf der Rotmatt eingekehrt. Das Rattern des Generators, die Kuhgeräusche im Stall, das Glockengeläut auf der Weide, die quietschende Ofentür in der Sennerei, das ohrenbetäubende Schreien der hungrigen Schweine – all die typischen Alpalltagsgeräusche sind verstummt. Bis zum nächsten Jahr!

 

Ich verstumme hier noch nicht, liebe Leserinnen und Leser, denn einige Geschichten möchte ich Ihnen bis Ende Oktober noch erzählen und freue mich über Ihr Interesse.

 

Eine gute Zeit wünscht Ihnen herzlich

 

Anne Weber

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